Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2020
Allgemein

Hüttenöffnung und Arbeitseinsatz in der Braunschweiger Hütte im Corona-Jahr 2020

Günter Gehrke

Unsere Ankunft bei der Materialseilbahn - es gab viel zu entladen
Foto: Günter Gehrke

Nach vielen Unwägbarkeiten im Frühjahr mit ständig neuen Verhaltensregeln und starken persönlichen Einschränkungen, kam die Hüttenöffnung immer näher.

Anruf von Stefan, unserem Pächter Mitte Mai:

Was machen wir - wann sollen wir die Hütte öffnen?

Plan war der 9. Juni - davor waren noch Auflagen der Behörde vom September 2019 umzusetzen.

Also: aufmachen wie geplant und die Gewerke vorher auf die Hütte bitten.

Dazu noch Trenner aufstellen, um den Nachbarn /die Nachbarin im Bettenlager vor Corona zu schützen, ist Arbeit für die Hüttentechniker der Sektion. Zwei Anrufe und die Zusage war da.

Der Aufstieg zu Fuß - immer wieder schön, wenn die Hütte erreicht ist
Foto: Günter Gehrke

Holz bei Maurer u Wallnöfer bestellen, Schrauben, Winkel, Holzleim u.a.m. vor Ort einkaufen. Kurzfristig ging es los zu dritt am 3. Juni zum 1. Arbeitseinsatz nach Österreich.

Was erwartet uns an der Grenze? Kommen wir durch? Aussagen der österreichischen Behörden versprachen nichts Gutes. Ein gültiges Attest hatten wir nicht - immerhin war vorher Pfingsten und der 3. Juni, nur zwei Werktage danach.

Das Internet wurde intensiv durchschaut - Formulare heruntergeladen und ausgefüllt. Als "Berufspendler" sollte uns die Einreise gelingen.

Hier waren noch sieben alte Matratzenlager - der Umbau zum Personalzimmer und zweiter Dusche - beginnt!
Foto: Günter Gehrke

Um 6 Uhr morgens: Abfahrt. Vorher Werkzeug und Material einladen. Masken, Desinfektionsflasche nicht vergessen - und ganz wichtig: ausgefüllte Formulare. Fahrt über München, weiter nach Garmisch, die Grenze in Sichtweite: Masken auf.

Und was sehen wir: NICHTS - keine Grenz- und Zollbeamten hier wie dort. Ohne Stopp weiter ins Pitztal. Bei der Rückfahrt am 7.Juni.: wieder nichts. Gut so.

Coronaauflagen geschuldet ist die Trennung der Lagerplätze mit großen Holzplatten sowie für temporären Einsatz 20 kleinere Abtrennungen für den Kopf- und Oberkörper. 30 Platten im Format 100 x 200 cm wurden dafür fest installiert und werden den Gästen in Zukunft ein anderes Lager-"Feeling" bieten. Maximal 2 Matratzen liegen nebeneinander. Die kleinen Abtrennungen können bei Bedarf zwischen zwei Matratzen geklemmt werden und gaukeln Einzelbetten vor.

Fertig - das neue Personalzimmer unter dem Dach kann bezogen werden!
Foto: Günter Gehrke

Bei unserem 2. Arbeitseinsatz mit 6 Hüttentechnikern vom 20. - 27. Juni hatten wir ein sehr umfangreiches Programm:

Vorab: Einkauf von Material in Braunschweig, um vor Ort keine Zeit zu verlieren.

  • Die Seilbahn wurde im Bereich der Trassenführung eingezäunt. Das Gaslager an der Seilbahn bekam eine 1,5m hohe Umzäunung mit abschließbarer Tür.
  • Das Steinbocklager unter dem Dach wurde in ein Personalzimmer (zwei Betten) und einer Dusche umgebaut.
  • Die Einhausung unseres Notstromaggregates musste nicht abgerissen werden - was sonst schade gewesen wäre. Dafür wurden aus dem Tal Gipskartonplatten eingekauft und mit der inneren feuerfesten (F60) Verkleidung begonnen.

Kleinreparaturen fielen wie immer an:

Stangengriff und Markierungen: Die Behördenauflagen waren umzusetzen: Gelb-schwarze Markierungen anzubringen und der breite Türgriff war zu ersetzen
Foto: Günter Gehrke

Einstellung der Türschließer, Türschließer für Heizungskeller anbringen, Erneuerung Schloß Eingangstür, Stangengriff-Garnitur der Fluchttür musste erneuert werden. Hinweisschilder anbringen, Bodenschwellen-Markierungen auftragen, u.v.a.m.

Bei den zwei Arbeitseinsätzen im Juni wurden 45 Mann-Tage / 360 Stunden Arbeit geleistet. An- und Abreise nicht eingerechnet. Im Vergleich dazu: Arbeitstunden der Handwerker kosten in Österreich etwa 70 Euro / Partiestunden (Handwerker und Lehrling) etwa 95 Euro. Mehr als 3 Tonnen Material wurden von uns bewegt.

Meinen Hüttentechnikern kann ich für ihren unermüdlichen Einsatz nur danken. Es ist nicht selbstverständlich, mit welchem Eifer und Fachwissen alles erledigt wurde.

Materialseilbahn und Gaslager an der Materialseilbahn war 150 cm hoch einzuzäunen und eine abschließbare Tür versperrt den Zugang. Ebenso musste die Seilbahn mit einem Zaun abgegrenzt werden.
Foto: Günter Gehrke

Ob Samstag oder Sonntag, jeder Tag wurde genutzt. Ein Besuch unseres Hausberges war zeitlich nicht möglich.

Am Sonntag gegen 9 Uhr ging es wieder nach Braunschweig zurück.

Der kommende Einsatz ist schon geplant. Die feuerfeste Einhausung des Notstromaggregates muss vollendet werden. Die Dusche wird zwischenzeitlich (hoffentlich) eingebaut sein und wir werden den Raum fertigstellen und die Tür einbauen.

Ein Personalzimmer bekommt einen neuen Boden.

Bleibt zu hoffen, dass alle Mitarbeiter auf der Hütte und alle Wanderer vom Virus verschont werden. Das wünsche ich Euch auch. Bleibt gesund und genießt ganz besonders den heutigen Sommer - auf der Braunschweiger Hütte ist es schön wie immer!

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 24. August 2020