Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2020
Hochtourengruppe

Bericht der Hochtourengruppe aus der Coronazeit

Elmwanderung - Skidenkmal /Harz - Radrunde durch Braunschweigs Dörfer

Ralf Hartzsch

Das Wanderprogramm für die Hochtourengruppe war mit vielen guten Ideen gefüllt und alle freuten sich auf schöne Frühjahrswanderungen, Ausbildungs- und Klettertage. Plötzlich kam Corona mit Kontaktbeschränkungen und alle Pläne waren hinfällig. Zufällig hatten wir kurz vorher unsere WhatsApp-Gruppe gegründet, so dass über diesen Weg private Tourenerlebnisse geteilt werden konnten und der Kontakt untereinander bestehen blieb. Aber das reichte mir nicht. Irgendwie fühlte ich mich als Wanderwart dafür verantwortlich, unter den gegebenen Bedingungen etwas für das Gruppenleben zu tun.

Meine erste Idee war, einen Rundweg mit Landartkunstwerken auszustatten. Somit konnte jeder alleine oder in Familie unterwegs sein und seinem Nachfolger mit kreativen Mitteln zeigen, dass er da war und der nächste konnte die Zeichen suchen, entdecken, umbauen, Neue setzen. Mit einer Feierabendwanderung auf einem Elm-Rund- weg bereitete ich mit meiner Frau die ersten Kunstwerke vor. Dabei genossen wir die abendliche Ruhe, Frühlingsblumen, Vogelgesang und Sonnenuntergang. Danach erreichten mich viele begeisterte Rückmeldungen, wer den Weg begangen ist und wie, linksrum, rechtsrum, mit Fahrradanreise von Braunschweig, unterschiedliche Tageszeiten nutzend, alleine, zu zweit, mit Kindern… Und es kamen viele tolle Bilder mit den Kunstwerken. Damit existiert schon ein Grundstock für die nächste Lichtbildabendsaison. Insgesamt waren es über 20 Teilnehmer – mehr als bei einer durchschnittlichen Gruppenwanderung.

Wanderer mit Stock und Karte
Foto: Anette Schoreit

Zwei Wochen später war wieder Wandertermin. Es war das lange Wochenende mit dem 1. Mai. Eine neue Idee musste her. Gunter wollte eigentlich eine Harzwanderung führen. Damit war das Ziel grob umrissen, Sachsen-Anhalt war gesperrt, somit blieb der Westharz. Gesucht wurde ein Ort, der einfach zu finden, aber nicht übermäßig frequentiert ist. Dort sollte ein „Gipfelbuch“ so versteckt werden, dass es Fremde nicht sehen, aber Eingeweihte es einfach finden konnten. Wir entschieden uns für das Skidenkmal. Wieder bei einer Feierabendwanderung im fast menschenleeren Harz habe ich mit meiner Frau das Buch versteckt. Nach einem sehr trockenen April kam gerade der erste sanfte Nieselregen und ließ den Wald ganz frisch duften. Wir genossen den schönen Abend. Der Regen hörte wieder auf. Im Eckerstausee spiegelten sich Brocken und Scharfenstein. Oberhalb von Bad Harzburg bot sich ein schöner Ausblick auf die beleuchtete Stadt in der Abenddämmerung. Wir hatten wohl ein klein wenig zu lange genossen und gebummelt und kamen beim letzten Abstieg nicht nur in die Dunkelheit, sondern auch in einen heftigen Regenguss. Nach dem Wochenende waren über 20 Einträge im Buch, teilweise kunstvoll verziert. Es zeigte sich, dass die Hochtourengruppe überwiegend aus Sonntagswanderern und, im Gegensatz zum sportlichen Anspruch, aus Langschläfern besteht. Freitag, Samstag und Sonntagvormittag hielten sich die Einträge in Grenzen, aber Sonntagnachmittag wurde es voll. Wie ich später erfuhr, nicht nur von HTG-Mitgliedern. Einige von uns hatten sich nicht eingetragen, weil die Hütte mit anderen Leuten voll war. Somit zeigte sich an dieser vermeintlich abgelegen Stelle ein Corona-Effekt. Wenn Spielplätze, Cafés und andere Freizeiteinrichtungen geschlossen sind, gehen die Leute wandern und es wird auch an einsamen Ecken voll.

Kunstwerke auf einem Rundweg
Foto: Ralf Hartzsch

Auf dem Gruppenprogramm stand auch eine Radtour. Konnte man das machen? Wenn man sich beim Radfahren zu nahe kommt, passiert auch ohne Corona ein Unglück. Nach Auswertung der Vorschriften kam dann doch ein Nein heraus. Wie konnte man die Idee umsetzen? Andrea hatte den Kleine-Dörfer-Weg rund um Braunschweig vorgeschlagen. Reichlich 100 km ist ein ganz schöner Happen. Wenn man das aber als Staffel aufteilt, wird es für den einzelnen nicht zu lang und es konnten Kleingruppen mit Leuten aus maximal zwei Haushalten geschaffen werden, so dass viele einbezogen werden konnten. Der Organisationsaufand war recht hoch, musste doch die Strecke aufgeteilt werden und alle potentiellen Teilnehmer mussten wissen, wo sie den „Staffelstab“ (das Buch vom Skidenkmal konnte weitergeführt werden) übernehmen und übergeben mussten. Das Interesse hielt sich in Grenzen, aber mit drei Zweiergruppen konnten wir die Strecke gut aufteilen und haben unterwegs viele schöne Winkel direkt vor der Haustüre entdeckt. Kurz vor dem Start meldete sich Ulli, ob er mitmachen könne. Da zwei Zweiergruppen aus Ehepaaren bestanden, durfte eine Person aus einem anderen Haushalt dabei sein, so dass es noch passte und letztendlich Ulli die komplette Runde gefahren ist. Mit Just-in-time-Informationen über die WhatsApp-Gruppe wurden die Erlebnisse geteilt, so dass es wieder ein tolles Gruppenerlebnis der anderen Art war.

Eine weitere Idee kam von Stefan. Er hat uns auf einer Rätselwanderung durch die Asse geführt. Mit einer aufwändig vorbereiteten Fotodokumentation hat er einen Rundweg beschrieben. Wer unterwegs noch ein paar Fragen richtig beantwortet hatte, konnte ein Zahlenrätsel lösen und mit dem Code ein verstecktes Kästchen öffnen. Wieder gab es ein Buch mit Erlebnisberichten. Wieder konnte man sehen, wer schon da war (ja, diesmal auch ein paar Frühaufsteher). Wieder war man alleine bzw. in Familie unterwegs und fühlte sich doch als Teil der Gruppe.

Somit war die Zeit der Kontaktbeschränkungen eine interessante Zeit mit unerwarteten und kreativen Erlebnissen. Aber nun wird es Zeit, dass wir endlich zur nächsten Gruppenwanderung tatsächlich als Gruppe (beschränkt auf 10 Leute) unterwegs sein dürfen. Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 24. August 2020