Hochtourengruppe

Bergvagabunden unterwegs

Vier HTGler auf drei Hütten

Klaus Steube
Jessica Schrader, Martin Schminder

„…endlich wieder Viertausender –eine ganze Reihe und auch hoch: Monte Rosa Gruppe von Italien“, so war der Plan den sich 13 HTGler im Winter zurechtbastelten. Doch mit „Corona“ blieb die Situation auf den Berghütten und in Italien bis ins Frühjahr unklar und unsicher. Planänderung: kleine Gruppen bilden und variable Ziele ansteuern, „spontan buchen“ um flexibel auf Corona und Wetter zu reagieren.

Matthias Rahn, Klaus Steube

Unsere Gruppe (Jessica Schrader, Martin Schminder, Bild rechts; Matthias Rahn, Klaus Steube, Bild links) wollte einen Mix aus Klettern und Hochtouren versuchen und steuerte zuerst die Steinseehütte in den Lechtaler Alpen an.

Martin und Jessica hatten noch keine Erfahrung in Mehrseillängenklettern und die Internetrecherche versprach neben Klettergärten und Plaisierrouten auch alpine Wege, dazu gabs etliche Topos: somit ein Gebiet ideal für Einsteiger.

Steinseehütte

Früher Start in Braunschweig bescherte uns eine fast staufreie Anfahrt ins Inntal, wo wir kurz hinter Imst auf ein kleines Sträßchen in die Lechtaler einbogen. Am Talschluß dann ein ca. 2.5 std langer Anstieg durch Wald, Latschen und Wiesen zur schön gelegenen Hütte auf 2060m. Diese liegt am Ende eines Talkessels, auf 3 Seiten von wuchtigen und steilen Kalktürmen und –klötzen umgeben, nebst dem klaren Bergsee und lockt neben Kletterern auch Hüttenwanderer und Tagesgäste an.

Am ersten Klettertag ging es in einen der Klettergärten um uns an den Fels zu gewöhnen. Neben den üblichen 20m Routen gab es hier sogar eine 100m Route mit drei Seillängen: wir waren begeistert. Dunkle Wolken am Nachmittag mahnten zum Abstieg und mit dem ersten Regentropfen erreichten wie die Hütte um dort 2 weitere Braunschweiger zu begrüßen: Unser Sektionswebmaster Günter Gersdorf und Freundin Brigitte waren von ihrem Zweitwohnsitz aus Kroatien gekommen, um mal wieder richtige (und kühle) Bergluft zu genießen.

Spiehlerturm

Für den folgenden Tag wählten wir uns die fotogenste Nadel in der Gipfelkulisse, den Spiehlerturm. Zwar nicht der höchste, aber auf der leichtesten Route nur eine IVer Stelle sowie ein paar Haken und eine tolle Abseilstrecke von 2x60m waren verlockend. Dieser vielbegangene Gipfel wird oft als Halbtagestour gemacht und wir liebäugelten in der Vorbesprechung am Abend noch eine Kante des benachbarten Nordöstlichen Parzinnturmes dranzuhängen.

Weiter Blick nach Süden

Am Morgen dann war nur eine weitere Zweierseilschaft auf dem Weg dorthin, die wir bald aus den Augen verloren. Kurze Absprache am Einstieg: Jessica und Martin gingen vor. Jedoch, „alpin“ ist nicht Klettergarten, und schon gar nicht „Plastik“: ein grober Verhauer mit heiklem Rückzug bei unseren Neueinsteigern, die Schwierigkeit „ohne Markierung“ den idealen Kletterweg zu finden war eine gute Lehrstunde für die Beiden. Zwei Seillängen unter dem Gipfel konnten wir auch einen Teil der Abseilpiste in Augenschein nehmen als die andere Gruppe am Seil herunterglitt. Bald erreichten auch wir den Gipfel mit Kreuz und machten es uns, so gut es ging, auf gefühlten 10qm „Fläche“ bequem. Die Aussicht war grandios, fast windstill und bescherte uns eine genussvolle Gipfelrast.

Abseilen vom Spiehlerturm

Wir beobachten auch die andere Seilschaft, wie sie ihr Glück nun am gegenüberliegenden Nordöstlichen Parzinnturmes versuchten. Die beiden kletterten sicherer und schneller als wir, das Gelände war jedoch deutlich unübersichtlich und sie traten nach ca. 1 std den Rückzug aus dieser noch alpineren Tour an. Klares Zeichen: nichts für uns! Außerdem war es inzwischen Nachmittag, das Abseilen lag noch vor uns. Auch dies brauchte seine Zeit, insbesondere zu viert… umso mehr schmeckte später dann der leckere Kuchen auf der Hütte – oder war es das erste Feierabendbier?

Nachdem Abendessen erfolgte die „Nachbereitung“ der Tour und eine kompetente Information durch Hüttenwirt und Bergführer „Buggy“. Wir entschieden uns anderntags für die „Lange Kante“ auf den Südwestlichen Parzinnturm, etwa 300 Hm und 8 SL, nie schwerer als III. Grad. Da wir ja für die Dolomiten üben wollten, war diese Route aufgrund der sparsamen Absicherung mit Zwischenhaken und auch schrofigem Gelände einer deutlich schwierigeren, aber „durchgebohrten“ Tour der Vorzug zu geben.

SW-Parzinnturm (links) mit der „langen Kante“ von li oben nach re unten

Am Einstieg machte sich gerade ein Bergführer mit drei Klienten fertig: Erstmal Zwangspause für uns. Die Vier anderen kletterten in Zweierseilschaften parallel. Dies wollten wir nicht und so starteten diesmal Matze und ich als Erste um den beiden Nachfolgenden die Wegfindung etwas zu erleichtern. Hier und da eine Schlinge oder einen Karabiner als Markierung hängen lassend, erreichten wir nach ca. 5 SL einen Steilaufschwung und wieder die Gruppe mit Bergführer. Mittagspause mit Sitzplätzen. Danach war wieder dran und stieg mit gebührendem Sicherheitsabstand hinter dem Bergführer und seiner Gruppe her, die jetzt auch nicht mehr nebeneinander kletterten. Ein anstrengender, überhängender Kamin und ich machte Stand neben der zweiten Seilschaft, während sich 5 m über uns die Nachsteigerin des Bergführers schimpfend und schreiend durch eine noch schwierigere Stelle mühte. „Na, für eine III war das doch viel zu schwer, fühlte sich eher wie V an“ begrüßte ich die beiden am Stand wartenden. „Kommt uns auch komisch vor, und letztes Jahr sind wir hier gar nicht langgegangen“ war deren Antwort.

Oberer Teil des SW Parzinnturmes

Huch! War ich fälschlicherweise in eine schwerere Route geraten? Rufkontakt nach unten zu Matze der inzwischen den Kamin erreicht hatte und von mir „umdirigiert“ wurde und prompt den richtigen Standplatz fand. Diesmal hatte also ich mich vertan (und war „blind“ dem Bergführer gefolgt). Wie komme ich nun an meine Exen und an den richtigen Standplatz? Zurück wollte ich nicht, also querte ich von schräg oben nach rechts unten und gelangte überraschend leicht zu meinem Seilpartner. Vielleicht kann Martin als letzter Nachsteiger (Jessica war inzwischen auch am gemeinsamen Stand angekommen) die Exen bergen? Matze ging nach oben weiter um Platz zu machen und ich versuchte Martin in Richtung Kamin zu meinen Exen zu lotsen. Kein Sichtkontakt zu uns, aber zu den Exen, jedoch keine Chance diese zu erreichen. Martin blieb fast im Kamin stecken und kämpfte mit komplizierter Seilführung. Also besser „abschreiben“, wieder etwas zurück zum richtigen Standplatz und dann leichter zum Gipfel. Ja, jetzt war das Gelände wieder um den III. Grad und wir erreichten mit dieser letzten Seillänge auch bald den Gipfel. Dort blickten wir in die etwas blassen Gesichter der Bergführertruppe (diese hatten sich wirklich in eine Nachbarroute mit V+ verstiegen). Wie wir dann mitbekamen, war dieser Berg auch für den Profi Neuland gewesen. Gipfelrast für uns, während sich die anderen für den Abstieg fertigmachten. Zuerst ein Stück abseilen und dann schrofiges Gelände zu einer Scharte mit dem Beginn eines Klettersteiges. Allerdings zog es sich um uns herum recht schnell immer dunkler zu. Bloß kein Gewitter auf dem Klettersteig, der uns nach unten bringen sollte. Geblitzt hat es dann auf der anderen Talseite und wir bekamen zum Glück nur ein paar Regentropfen ab, die dann sogar am Wandfuß wieder aufhörten. Nun ging es gemütlich über die Wiesen zur Hütte (der angekündigte Wolkenbruch kam dann in der Nacht).

Auf dem Weg zur Regensburger Hütte, im Hintergrund Fermeda (li) und die Geislerspitzen

Ortswechsel: wir sagten Hütte, Brigitte und Günter ade, stiegen ab, setzten uns verschwitzt ins Auto, düsten nach Südtirol um dort noch mehr zu schwitzen. Von Wolkenstein ging es in einer guten Stunde auf die Regensburger Hütte, die auf einer weiten Almfläche liegt, umgeben von den Gipfeln der Fermeda, Geissler und Steviagruppe. Auch hier wieder weitere Braunschweiger, die sich auf 2 Berghütten verteilt hatten. In Italien waren die Corona-maßnahmen strenger als in Österreich: jede Gruppe hatte ihren festen Tisch, Maskenpflicht für Bedienung und Gäste (beim „Herumlaufen“), Desinfektionsmittel und Abstandhalten in den Waschräumen.

Steviagruppe mit Juactürmen (re)

„Via Victoria“ hieß anderntags unsere Route, die auf einen Nebengipfel des Juacturmes führte. Standplätze gebohrt, hie und da eine Sanduhrschlinge, einige Infos von den anderen Braunschweigern, die tags zuvor schon oben waren und bei den schwierigsten Stellen wieder Haken, machten die Wegfindung erträglich. Schon eingespielt, gingen Matze und ich wieder als erste Seilschaft, hinterließen wieder „Markierungen“ oder hielten Rufkontakt zu Jessica und Martin. Die Schlüsselstelle um eine ausgesetzte Kante gelang sturzfrei und für die Nachkommenden hinterließ ich Karabiner und eine lange Schlinge, über die sich auch keiner beschwerte. Vom Vorvorgipfel konnten wir dann 2 andere Braunschweiger Seilschaften am Hauptgipfel des Juacturmes auf der „Via Firenze“ klettern sehen, die uns jubelnd zu winkten.

Am Gipfelgrat der Via Victoria

Nun folgten noch 2 SL eines herrlichen, fotogenen Grates bis zum eigentlichen Gipfel mit Buch. Rast und dann der lange Abstieg, teils weglos über Geröll zur Steviahochfläche und danach über einen gut gebauten Steig hinab zur Hütte, die wir spät nachmittags wieder erreichten. Die „alten“ Herren brauchten nun einen Ruhetag auf den Almwiesen, während Jessica und Martin denselben für die Besteigung des Saas Rigais über den Klettersteig nutzten. Gewitterneigung für den dritten Tag angekündigt, brachte uns in Entscheidungsprobleme.

Kleine und Große Fermeda

Nicht ganz einstimmig wurde die kleine Fermeda, mit einem Anstieg den Luis Trenker vor 100 Jahren schon fand, ausgewählt. Zustieg über eine sehr steile Wiese und dann etwa 100m auf einem schuttrig-schaurigen Band, entlang einer jäh abfallenden Felswand zerrte stark an den Nerven. Der gesamte Abstieg vom Gipfel sollte so oder ähnlich von statten gehen und so beschlossen wir noch am eigentlichen Einstieg den Rückzug. Mit ist ein senkrechter IVer oder V als Seilerster deutlich lieber als in diesem wackeligen Geröll herum zu staksen – und: ich hatte in schon mehr als genug Bergunfälle erlebt…. Der Rückzug tat in der Seele weh, aber letztendlich vernünftig. – Das Wetter sollte nun noch schlechter werden. Aufbruchsstimmung bei allen Braunschweigern und wieder Planänderung.

Riesenpizza in Brixen

Am nächsten Morgen fuhren die einen nach Sexten, andere nach München oder in Richtung Tannheimer und wir – dann nur noch zu dritt (Matze blieb bei Gruppe 1) – hofften der angekündigten Regen- und Schneefront nach Westen zu entkommen. Zwar blieb es noch fast den ganzen Tag stabil (schade um eine ausgefallene Tour), aber als der Himmel seine Pforten heftigst öffnete, waren wir doch froh im schützenden Café in Wolkenstein zu sitzen. Tagesziel war eine Pension bei Brixen, die wir dank Internet noch buchen konnten. Am Abend in einem urigen Gasthof vor einer riesigen Pizza, schickten wir eine Foto-Nachricht an die Sextener-Gruppe. Diese „konterten“ mit einer angeblich noch größeren Pizza. Ich will mal diplomatisch sagen, es ging unentschieden aus (obwohl unserer klar die größere war).

Kletterhalle Imst

Nächste Station war Imst (im Regen); aber die Kletterhalle dort ist trocken und mit 22m durchaus hoch – die Außenanlage schafft es sogar auf 25m. „Natürlich“ trafen wir auch hier wieder auf Braunschweiger: Drei Leute aus der HTG (Jens, Ronald, Holger) verlagerte (ebenfalls wetterbedingt) ihre Aktivitäten aus Berchtesgaden in Richtung Westen Kurzer Plausch beim Zuschauen eines Wettkampfes von Klettereliten aus D, CH und Ö und die Wege trennten sich wieder. Wir in die Halle, die anderen drei ins Verwall. Die ganze Nacht Regen (Schnee ab ca. 2000m) und auch am nächsten Vormittag immer noch Niesel im hinteren Pitztal. Tags zuvor hatten wir für einen Spontanbesuch auf der Braunschweiger Hütte telefonisch grünes Licht bekommen. Gegen Mittag schulterten wir die Rucksäcke, zogen Regenschutz an und los ging es. Später ließ der Regen nach und ging in Schnee über, der schließlich geschätzte 25 cm an der Hütte erreichte. Großes Hallo und Schnaps von unseren Wirtsleuten, Melanie und Stefan. Wir bezogen für den Nachmittag und Abend die Sitzplätze am Kachelofen und hatten somit einen Logenplatz auf die eintreffenden E5-Wanderer (und machten uns so ganz eigene Gedanken zu diesem Trubel und im Gegensatz dazu, dem relaxten Management des Hüttenteams).

Von der Terrasse der BS-Hütte
Aufstieg zum Linken Fernerkogel

„Wie versprochen“ bescherte uns der nächste Morgen einen strahlendblauen Himmel und Berge in weiß ringsherum. Einzelne Grüppchen der E5ler waren schon in Richtung Rettenbachjoch unterwegs, als wir zum Anstieg auf den linken Fernerkogel aufbrachen. Wie erwartet, waren wir die einzigen und legten unsere Spur auf dem Normalweg. Die Spalten waren größtenteils zu (oder gar nicht mehr vorhanden?) nur das Stapfen durch den zunehmend matschig werdenden Schnee war kraft- und zeitraubend.

Vom Gipfel Blick zur Wildspitze

Erst gegen Mittag konnten wir am Gipfelkreuz anschlagen, wurden aber durch den grandiosen Rundblick belohnt. Dann kam doch noch eine zweite Seilschaft vom Rettenbachjoch gestartet; sehr zügig sogar, wählten sie den direkten Aufstieg durch den (einstigen) Gletscherbruch, und wechselten nur im letzten Drittel in unsere Spur. Wir machten es dann umgekehrt und gingen entlang ihrer Spur bergab – oder besser gesagt, rutschen nach unten, denn ständig gab der matschige Schnee unter unseren Füßen nach. Einfach viel zu warm! Ich hatte diesen Teil des Gletschers als sehr spaltenreich und zerklüftet in Erinnerung und war erstaunt, wie wenig davon zu sehen war. Wohl auch eine Folge des klimabedingten Gletscherschwundes. Bald war die Hütte erreicht und es gab wieder ein Nachmittagsschmankerl, eine kleine Auszeit im Lager, bis der lange Hüttenabend begann.

Linker Fernerkogel mit Auf- und Abstiegsspuren
Vom Gipfel Blick nach Norden auf den Geigenkamm; etwa in Bildmitte ganz klein die BS-Hütte

So viel Matschschnee wollten wir anderntags vermeiden und machten uns daher in Richtung Innere Schwarze Schneid auf. Zuerst wie die E5ler zum Rettenbachjoch um von dort über den weiteren Aufstieg zu entscheiden: entweder die ca. 40° steile Nordflanke oder den wenig schwierigen oberen Ostgrat (ab Ende der Seilbahnstation). Wir entschieden uns für letzteres, weil in der Nordflanke frische Stein- und Schneeabbrüche zu sehen waren. Der Schnee bis zum Einstieg auf den Grat war durch Pistenraupen etwas verfestigt und gestaltete das Gehen wirklich einfacher. Den vereinzelten Seilbahnbenutzern, die an der Bergstation etwas unbeholfen im Schnee herumstaksten, boten wir drei bestimmt ein exotisches Bild, als wir mit Gamaschen, Steigeisen und Pickel Richtung Grat davonstapfen.

Innere Schwarze Schneid mit Nordflanke und langem Ostgrat; am Ende des Schleppliftes befindet sich Baustelle und Tunnel

Alleine dann, legten wir Seil an und wühlten uns rechts der Gratschneide durch den Schnee. Dieser war in der Tat weniger nass, jedoch sehr tief und so „brachen“ wir des öfters bis weit übers Knie in irgendwelche, unter oder zwischen den Steinen verborgenen, Löcher ein. Zwar nicht direkt absturzgefährdet, jedoch höchst unangenehm für Bänder und Gelenke. Vor einem Steilaufschwung kamen Zweifel über den sicheren Weiterweg mit Kletterstellen und den späteren Abstieg durch die steile Nordflanke mit den Schneebrettern auf. Direkt unter uns führte eine Schneerinne vielleicht 120m tiefer, zu den am Skitunnel arbeitenden Bauleuten. Hektisches Rufen und Winken von diesen, nachdem sie uns über sich wahrnehmen. Wir hatten vor, seitlich deren Falllinie abzusteigen, doch das war den Arbeitern nicht geheuer und sie dirigierten uns in Richtung eines Zauns, der als Auffangschutz für Steine gedacht war. Bis dahin reichte fast unsere Abseilstrecke, den Rest dann durch tiefen Schnee, bis wir an ein fixes Seil gelangten, den sich die Bauleute für ihren Auf- und Abstieg gelegt hatten. Beruhigend für die Bauleute und für uns.

Die drei HTGler vor der BS-Hütte

Dieses Fixseil benutzend glitten wir in zwei weiteren Etappen bis an den Tunneleingang. (Ob deutsche Arbeiter an ähnlicher Baustelle auch so freundlich und besonnen regiert hätten, wie diese Tiroler?). Von hier war es nicht mehr weit bis zum Rettenbachjoch, an dem wir dann endlich Steigeisen und Pickel im Rucksack verstauten und auf einem trockenen Felsen unsere Gipfelrast nachholten. Trotz der 3000m Höhe war es immer noch brühwarm und wir sehnten uns nach T-Shirt und kurzer Hose. Also runter zur Braunschweiger Hütte und umziehen. Wieder kamen wir uns etwas exotisch vor, als wir mit unserer Hochtourenbekleidung und dem Geraffel am Rucksack die Terrasse betraten, dann aber nach dem ersten Kaltgetränk in die „Strandklamotten“ wechselten und nicht mehr von den Wanderern zu unterscheiden waren. Nur das Erlebte der letzten Tage war in Kopf und Herz fest verankert und beim Blick auf unsere Spuren zum Fernerkogel konnte keiner der E5ler unsere Gedanken und Gefühle nachempfinden. Ein letzter Kaiserschmarren, Abschied von der Hütte und jetzt schneefrei zurück ins Tal, zur anderen Wirklichkeit mit Hitzewelle, voller Autobahn und Corona.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 31. Oktober 2020