Allgemein

Alpen(verein) im Wandel?

Das Klimaschutzkonzept

Johannes Schlatow/Reinhold Aselmeier

Die Alpen führen uns schon jetzt die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels - einer globalen Erwärmung - vor Augen. Dieser entsteht vorrangig aufgrund des vermehrten Ausstoßes von CO2 durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Deshalb hat man sich im Pariser Klimaabkommen 2015 auf die Eingrenzung der globalen Erwärmung auf durchschnittlich unter 1,5°C geeinigt. Hierzu ist es notwendig ein bestimmtes Budget an ausgestoßenem CO2 nicht zu überschreiten. Nach Modellierungen ermöglicht dies eine 66%-ige Chance, das gemeinsame Temperaturziel einzuhalten.

Der Alpenverein als anerkannter (und mitgliedsstärkster) Naturschutzverband in Deutschland hat 2019 auf der Jahreshauptversammlung die baldige Klimaneutralität des Bundesverband beschlossen und sich damit für das Handeln entschieden. Die Sektionen sollen später folgen. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Infrastrukur (Hütten, Kletterhallen, Geschäftsstellen) sowie die Veranstaltungen (Touren, Wettkämpfe, etc.). Außerdem wurde unter anderem der Klimaeuro verabschiedet und eine Projektstruktur ins Leben gerufen, die in den letzten 1,5 Jahren unter Einbindung interessierter Sektionen ein Klimaschutzkonzept erarbeitet hat. Wir waren kürzlich auf einer digitalen Infoveranstaltung, um uns über den derzeitigen Stand des Projekts zu informieren und die wesentlichen Punkte an unsere Sektionsmitglieder (also Euch) weiterzugeben. Zu diesem Zweck möchten wir zu einer virtuellen (sektionsinternen) Infoveranstaltung nach den Sommerferien einladen. Um euch bis dahin aber nicht ganz im Vagen zu belassen, hier vorab schon einmal eine grobe Zusammenfassung.

Inhalte des Klimaschutzkonzepts

Das Gesamtkonzept teilt sich zunächst in einen Dreiklang aus Klimastrategie, Klimakonzeption und Klimamaßnahmen. Die Klimastrategie besteht darin, den CO2-Ausstoß zunächst priorisiert zu vermeiden und in zweiter Linie durch geeignete Maßnahmen unvermeidbare Ausstöße zu reduzieren. Als letzter Ausweg sollen der dann noch verbleibende Ausstoß durch geeignete Zertifikate kompensiert werden. Dabei gilt es, realistische und messbare Zwischenziele zu definieren und regelmäßig nachzuschärfen. In einem ersten Schritt erfolgt die CO2-Bilanzierung des Bundesverbands und der Sektionen. Für die Sektionen wird derzeit ein einheitliches Werkzeug gemeinsam mit 12 Pilotsektionen entwickelt, um diese ab 2022 allen Sektionen für die eigenen Bilanzierung bereitzustellen. Im Anschluss gilt es, die eigenen Aktivitäten auf den Prüfstand zu stellen und in Reduktionsmaßnahmen zu investieren (wie z.B. den nachhaltigen Umbau/Betrieb der Sektionsinfrastruktur, Bereitstellung von Bergsteigerbussen, etc.). Die genaue Planung und Ausarbeitung konkreter Klimamaßnahmen beginnt ab Juli 2021. Genannt wurden bereits eine einheitliche Selbstverpflichtung z.B. zu 100% Ökostrom für die Infrastruktur und Nutzung von Kurzstreckenflügen erst ab 1000km. Natürlich sind die genauen Maßnahmen sektionsspezifisch und abhängig von dem Ergebnis der eigenen Bilanzierung. Konkrete Vorschläge wurden und werden von dem Projekt erarbeitet und können dabei als Vorlage dienen.

Ausblick

Der Antrag zum “Klimaschutzkonzept"wird dem Verbandsrat im Juni und der Hauptversammlung Ende Oktober zum Beschluss vorgelegt.
Insgesamt sind Nachhaltigkeit und Klimaschutz derzeit sehr aktiv bespielte Themen auf Verbandsebene. Leider können wir im Rahmen dieses Beitrags nicht alle Details an euch weitergeben. Deshalb möchten wir alle interessierten Mitglieder zu einer (virtuellen) Infoveranstaltung nach den Sommerferien einladen. Dort werden wir euch die Ideen zum Klimaschutzkonzept noch einmal persönlich vorstellen und eure Fragen soweit wie möglich beantworten.

Nach den Sommerferien erhaltet ihr mit dem Alpinkompass und einem Hinweis auf der Homepage den genauen Termin und alle weiteren Infos.

Johannes Schlatow

Vorstellung und Diskussion des Klimakonzeptes des DAV

Am 17.05.21 fand ein 3. Webinar zum Thema „Klimaschutz im DAV“ mit 94 Teilnehmern aus verschiedenen Sektionen, zu denen auch Johannes Schlatow und Reinhold Aselmeier gehörten, statt.

Ende 2020 ist eine Projektgruppe, unterteilt in Arbeitsgruppen, die einen Konzeptentwurf mit Leitsätzen, Maßnahmen in den Handlungsfeldern, Mittelverwendung und einen Vorschlag für die Pilotphase CO2-Bilanzierung für die Hauptversammlung 2021 erarbeiten soll, installiert worden. Der Konzeptentwurf umfasst die Ebenen Klimastrategie, Klimakonzept und Klimamaßnahmen.

In der Klimastrategie stellt der DAV seine Aktivitäten auf den Prüfstand und berücksichtigt dabei die Erfordernisse des Klimaschutzes mit dem Ziel, klimaneutral zu werden und dem Ansatz „vermeiden vor reduzieren vor kompensieren“.

Die Steuerungsansätze umfassen die inhaltlichen Ziele (z.B. 30% Reduktion der Emissionen bis 20XX im DAV) und die prozessualen Ziele (z.B. 90% der Sektionen entwickeln bis 20XX ein Umsetzungsprogramm zur Reduktion der CO2-Emissionen). Die Hauptversammlung soll auf der HV 2021 für bestimmte Ziele ein einheitliches Vorgehen im DAV z.B. 100% Ökostrom bei der Infrastruktur, keine Kurzstreckenflüge unter 1.000 km und 50% aller Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln als Selbstverpflichtung beschließen.

Für den Prozess und die Umsetzung sollen „Klimaschutzkoordinator*innen“ in den Sektionen und Landesverbänden eingesetzt werden und auf einer internen Plattform ein Vergleich von Klimaschutzkennzahlen von Sektionen und Bundesverband (CO2-Bilanz, Klimaschutzbudget, Maßnahmen) erfolgen.

Die klimaschonende Mobilität soll sich in den Touren- und Ausbildungsprogrammen, wie klimaverträgliche Ortswahl bei Veranstaltungen (z.B. Erfurter Hütte), sektionsspezifische Vorgaben für das Verhältnis Anreisestrecke/Aufenthaltsdauer, klimaverträgliche Reisekostenrichtlinie, Reisekostenerstattung abhängig von Verkehrsmittelwahl (s. JDAV Bayern) niederschlagen. In Lobbyarbeit soll eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und eine Kommunikationskampagne zur besseren Anbindung von bergsteigerisch interessanten Zielen z.B. Bergsteigerbusse zu Zielen, die bislang öffentlich schlecht erreichbar sind (s. Sektion Oberland) durchgeführt werden.

Im Bereich der Infrastruktur werden ein nachhaltiger, energieeffizienter und klimafreundlicher (Um-)Bau und Betrieb der DAV-Hütten, Kletteranlagen, Geschäftsstellen genannt, hier ist das Ziel fossile Energiequellen durch regenerative zu ersetzen (z.B. PV-Anlagen für Geschäftsstellen, Kletterhallen), Lüftungs- & Klimaanlagen bei Kletterhallen und Umstellung der Beleuchtung auf LED genannt.

Eine nicht mehr mögliche Einsparung oder Reduzierung würde zu einem Ausgleich führen, der in Anlehnung an das Pariser Klimaschutzabkommen über CO2-Zertifikate an anderer Stelle auf der Welt erfolgt. An „international zertifizierte“ Organisationen werden dann Gelder für Projekte zur CO2-Re- duzierung (z.B. klimaneutrale Öfen in Nepal) übergeben.

Reinhold Aselmeier

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 7. Juli 2021