Allgemein

Klimafreundliches Bergsteigen ohne Auto

Braunschweig -Bozen mit der Bahn - Ein Erlebnisbericht

Christine Freywald, Stefan Weinert
Foto: Christine Freywald, Stefan Weinert
Foto: Christine Freywald, Stefan Weinert

Im letzten BS-Alpin gab es einen Bericht, den künftigen Bergurlaub einmal klimafreundlich zu gestalten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Der Klimawandel wirkt sich besonders stark auf die Alpen aus. Auch wir Bergsportler sind davon betroffen – tragen wir insbesondere durch unser Mobilitätsverhalten zum Klimawandel bei. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat eine deutlich bessere Ökobilanz als jene mit dem motorisierten Individualverkehr und kommt auch der lokalen Bevölkerung zugute, die durch Lärm, Abgase und Stau geplagt wird.

Unser Vorhaben war eine 10-tägige Hüttentour durch den Rosengarten in Südtirol. Basis sollte die Anreise mit der Bahn sein. Eine spannende Reise, eine Bahnreise ist oft Erlebnis pur.

IC2445 Pünktlich um 9:15 Uhr kommt der Doppelstockzug in Braunschweig an und die Reise beginnt. Kurz vor Halle eine Baustelle mit eingleisiger Streckenführung – der IC verspätet sich um 10 Minuten. Das war es wohl mit dem Anschlusszug nach München.

ICE703 Durch die Verspätung des IC2445 wird der ICE703 nicht erreicht. Die DB Netze heben durch einen Stempel die Zugbindung auf

ICE1193 Der nächstmögliche ICE Richtung „München“ fährt über Augsburg. Das wurde knapp, in München den Eurocity 83 nach Bozen zu erreichen.

ICE507 Kurzentschlossenes Umsteigen in Nürnberg. Am Gleis gegenüber fährt ein ICE Sprinter ein und dieser ICE ist 15 Minuten früher in München. Einsteigen und … „Störung – Störung“ ertönt es aus dem Führerstand. Eine Türdefekt lässt den ICE nicht abfahren. Der Blutdruck steigt spürbar. Nach 10 Minuten ist die Störung behoben, der Zug setzt sich in Bewegung.

EC83 Der Eurocity 83 wird erreicht und fährt pünktlich ab. Jetzt kann nichts mehr passieren – oder doch! Ach ja, die Brückensperrung ab Innsbruck – Umsteigen in den Bus.

SEV Schienenersatzverkehr. Was zuerst auf dem Bahnhofsvorplatz in Innsbruck chaotisch aussieht ist sehr gut organisiert. Mit dem Bus geht es über den Brenner nach Bozen. Nach genau 11 Stunden Reiserzeit wird Bozen pünktlich erreicht. Der Bergurlaub kann beginnen.

Nach 10 Tagen steigen wir von der Plattkofelhütte von 2300 m ab. Zuerst knieschonend mit der Ses-

selbahn, dann mit dem Wanderbus nach Compatsch, weiter geht´s mit der langen Seilbahn bis Seis ins Tal. Von Seis weiter mit dem Bus und zum Bahnhof Waidbruck-Lajen.

Foto: Christine Freywald, Stefan Weinert
Foto: Christine Freywald, Stefan Weinert
Foto: Christine Freywald, Stefan Weinert

R17150 Der Regionalzug bringt uns pünktlich nach Brixen, wo wir in den EC umsteigen wollen.

EC83 Wegen eines Stellwerkbrands in Verona kann der EC83 nicht in Verona abfahren. Tiefent spannt warten wir in Brixen wohlwissend, in Deutschland wird gestreikt. Durch die Zugbin dung sind wir jedoch auf den Zug angewiesen. Mit 30 Minuten Verspätung fährt der EC83 in Brixen ab

ICE704 -- Streik – nichts geht mehr ab München. Die DB Netze stellen einen Hotelgutschein für das Intercityhotel aus. Nicht geplant, aber eine Shoppingtour in München ist auch schön.

ICE802 Am nächsten Morgen fahren die Züge wieder und die befürchtete Überfüllung der Züge bleibt aus. Nun sollte doch wirklich nichts mehr passieren! Wir erreichen Halle (Saale), pünktlich und sogar der Anschlusszug wird erreicht.

IC2048 Der IC nach Braunschweig fährt pünktlich in Halle (Saale) ab. Doch schon kurze Zeit später ein Halt auf offener Strecke. Durch eine Schrankenstörung am Bahnübergang verweilen wir 20 Minuten. Letztlich erreichen wir gesund und stressfrei Braunschweig.

Fazit: Jederzeit wieder. Für die ca. 900km nach Bozen benötigten wir nur unwesentlich länger als mit dem Auto. Wenn Kosten für Treibstoff, Maut und Brennerpass und Verschleiß am Auto berücksichtigt werden, ist der Bahn-Sparpreis eine echte Alternative. Im Zug haben wir gelesen, nette Leute kennengelernt, Fotos angeschaut, Hörbücher gehört und im Bordbistro Kaffee getrunken. Letztlich kommen wir entspannt am Zielort an.

Für uns ist der Rosengarten eine wunderbare Gegend, ein echtes Erlebnis. Und die Reise mit der Bahn ist ein Teil des Erlebten. Auch die Erkenntnis: klimafreundliches Bergsteigen ist möglich.

Santnerpasshütte auf 2.734 m
Foto: Christine Freywald, Stefan Weinert
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 28. September 2021