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„Ehre, wem Ehre gebührt“

Zwei Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt

Walter Sprenger

Auf Vorschlag des Vorstandes der Sektion wurden auf der Mitgliederversammlung 2022 Richard Goedeke und Sigbert Goebel unter großem Beifall der Anwesenden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Beide haben sich in ihrer langjährigen Mitgliedschaft um unsere Sektion verdient gemacht.

In der langen Zeit seiner Mitgliedschaft – 1955 trat er in die Sektion ein – war Richard ehrenamtlich tätig. Zunächst war er auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen im Hochleistungsbergsteigen Leiter der Jugendgruppe. Führte die jugendlichen Bergsteiger auf zahlreichen Bergfahrten ins Hochgebirge. Machte aber auch originelle Stafettenläufe von Braunschweig zur Zugspitze. (siehe Jahrbuch BERG 2002). Dank seiner hochgradigen Sensibilität für die Erhaltung der Umwelt übernahm er schließlich bis 2020 das Umweltreferat der Sektion.

Richard war und ist nicht nur begeisterter Hochgebirgsalpinist. Auch das Klettern im nahen Umfeld des Harzes und des Weserberglandes war ihm seit früher Jugend überaus wichtig. In diesen Klettergebieten gab es bereits in den späten sechziger Jahren Konflikte. Zu allererst am Hohnstein. Es ging um die Problematik Naturschutz und Naturnutzung. Zusammen mit Freunden aus benachbarten DAVSektionen erarbeitete Richard die sog. KletterKonzeption Niedersachsen. Titel: „Das Konzept zur nachhaltigen Nutzungsentwicklung des Kletterns unter besonderer Berücksichtigung der Felsgebiete“. Mithilfe dieses 1999 veröffentlichten Konzeptes ist eine Versachlichung der Diskussion mit den Institutionen des Naturschutzes gelungen, anders als in anderen Bundesländern stehen grundsätzliche Kletterverbote nicht mehr zur Diskussion. Die Organisationen der Kletterer, vor allem die norddeutschen DAV-Sektionen, verpflichten sich als Gegenleistung zur Rücksichtnahme auf schützenswerte Tatbestände, z.B. auf Brutzeiten von Uhu und Falke, auf den Schutz seltener Pflanzen. Darüberhinaus fördern Mitglieder der Sektionen und der IG Klettern seit Jahren durch sog. Entkusselungsmaßnahmen die Biodiversität im Umfeld der Felsen, u.a. durch Beseitigung schnellwachsender verschattender Nadelgehölze. Eine bemerkenswerte Erfolgstory. Ein schönes Beispiel für nachhaltige Lösungen bei Umweltkonflikten.

Weiterhin erwähnenswert: Richard war Mitgründer von Monuntain Wilderness. Eine Aktion für den Kampf für die Erhaltung der Ursprünglichkeit der Alpen. Unter dem Titel „Der konsumierte Berg“ hielt Richard ein viel beachtetes Grundsatzreferat bei der „Deklaration von Biella über die Erhaltung unbeschädigter Gebirgslandschaften“. Selbstverständich war er auch bei mehreren Protestaktionen dabei. Nach meiner Erinnerung am Montblanc wie auch im Pitztal zur Verhinderung der Erweiterungspläne der Pitztaler Gletscherbahn.

Ja, Richard hat bedeutsame Spuren im Sektionsleben hinterlassen.

Auch Sigbert Goebel hat sich um die Sektion verdient gemacht. Nach dem Rücktritt Dieter Flocki Langkopfs vom Amt des 1. Hüttenwartes der Braunschweiger Hütte übernahm Sigbert 2006 diese für unsere Sektion überaus wichtige Funktion. Eine von einem fast vergessenen Zeckenbiss verursachte, erfreulicherweise nur temporäre Erkrankung zwang ihn nach fünf Jahren zur Aufgabe des Amtes.

In dieser in der Länge überschaubaren Amtszeit war Sigbert für die Totalsanierung der in die Jahre gekommenen Braunschweiger Hütte verantwortlich. Sie musste für das Besucheraufkommen des immer beliebter werdenden E 5 - des Wanderweges von Oberstdorf nach Meran - aufgerüstet werden. Vom Dach über das Treppenhaus, die Schlafzimmer, die Sanitäreinrichtungen,

über die Erweiterung des Gastronomiebereiches, die Wasserversorgung, bis hinunter in den Heizungskeller, all das musste in Angriff genommen werden. Und das bei Aufrechterhaltung des Gastbetriebes der Hütte. Denn der E 5 wurde ja weiterbegangen.

Eine überaus zeitraubende und anspruchsvolle Tätigkeit, die Sigbert dank seiner beruflich bedingten Managerqualitäten hervorragend gemeistert hat. Das alles wurde so dynamisch vorangetrieben, dass ich als damals in meiner Zweitfunktion als Schatzmeister fast Schwierigkeiten hatte, den Zufluss von Beihilfen und Darlehen des Alpenvereins München sowie aus Zuschüssen öffentlicher Hände, zeitgerecht zu organisieren. Die von wohl manch einem in der Sektion befürchtete Insolvenz konnte durch straffes Ein- und Ausgabenmanagement verhindert werden.

Sigbert war als 1. Hüttenwart auch ein großer Motivator. Es gab häufige Arbeitseinsätze. Die begeistert mitarbeitenden „Hüttentechniker“, u. a. Armin Rogge, Norbert Decker, Helmut Eidam, sorgten für Einsparungen von vielen, vielen tausend Euros. Wohl eher zigtausend Euros.

Stichwort Motivator: Als Sigbert sein Amt aufgeben musste, hatte er für einen Nachfolger gesorgt: Armin Rogge war bereit. Auch die Zusammenarbeit mit Cilli und ihrer Nachkommenschaft verlief sehr harmonisch.

Nach seinem Ausscheiden als 1. Hüttenwart war die Grundlage für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Hütte unterhalb des höchsten Berges in Tirol, der Wildspitze, geschaffen.

Nachdem Sigbert sich wieder bester Gesundheit erfreute, übernahm er von 2013 bis 2016 die Leitung des Vortragswesens. Auch dieses Amt profitierte von seiner Leitung.

Abschließend möchte ich auch im Namen des Vorstandes den neuen Ehrenmitgliedern wünschen: Bleibt gesund und munter, geht in die Berge, besucht auch die Braunschweiger Hütte. Dort wird gegen Ende Juni die neue Kapelle geweiht. Ein Anlass zur Freude.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 27. Juni 2022