Hochtourengruppe

Drei Tage auf der Havel

Pfingstpaddeln der Hochtourengruppe von Fürstenberg nach Kratzeburg

Anette Schoreit

Silke Fähnrich hatte eingeladen und 19 abenteuerlustige Hochtourengruppenmitglieder waren der Einladung gefolgt. Alles war bestens vorbereitet: Boote, Campingplätze, Brötchenservice, Abendessen gebucht, Boots- und Fahrgemeinschaften gebildet, eine Vorbesprechung abgehalten, bei der Silke den Teilnehmern die generalstabsmäßig vorbereiteten Streckenpläne mit weiteren Erläuterungen übergab, und sogar ein Übungstag in Gifhorn wurde abgehalten.

Einsatzstelle Kanustation Nordlicht in Fürstenberg
Foto: Volker Fähnrich

So konnte es denn am Samstag um 10 Uhr in Fürstenberg losgehen. Die Boote waren zu Wasser gelassen, Tina und Rainer mit ihrem Turbo-Schlauchboot zu Wasser angereist, das Gepäck verstaut, die Haut in Sonnencreme gebadet, die Sonne schien vom Firmament, die Strömung der Havel war, wie angekündigt, mäßig, was wichtig war, denn die Tour ging entgegen der Strömung.

Schleuse Steinhavelmühle
Foto: Volker Fähnrich

So überquerten die 11 Bootsbesatzungen frohen Mutes den Röblinsee und fuhren in die Steinhavel ein. Schon hier zeigte sich, dass die Kajaks deutlich die Führung vor den Kanadiern übernehmen konnten und diese alsbald hinter sich ließen. Doch an der Schleuse Steinhavelmühle trafen wir uns alle zum ersten gemeinsamen Schleusen wieder. Ein schönes Erlebnis!

Nach der Überquerung von Menowsee, Ziernsee und Ellbogensee war die erste Pause am Seeufer fällig und lud in idyllischer Wildnis zu allem ein, was so nötig war. Die darauf folgenden Anstrengungen auf dem Großen Priepertsee, Wagnitzsee und Finowsee wurden mit Fischbrötchen, Eis und Bier am Anleger „Windhof“ belohnt. Pünktlich erreichten wir nach ca. 20 Kilometern den Campingplatz am Drewensee, wo wir die Boote an Land holten, unsere Zelte auf einer großen Zeltwiese aufbauten, entdeckten, was der einzelne so vergessen hatte, z.B. seine Zeltstangen, badeten und am campingplatzeigenen Imbiss die gute Organisation der Betreiberin bewundern und ihr Essen genießen konnten. 

Auf dem Woblitzsee
Foto: Volker Fähnrich

Nach einer frischen Nacht, einem ausgiebigen Frühstück, Abbau der Zelte und Verstauen der Fracht in den Booten, brachen wir erneut auf - wieder bei herrlichem Sonnenschein. Über den Drewensee zurück zur Havel erwarteten uns viele Motorboote und die Schleuse Wesenberg, nach Erreichen des Woblitzsees ein kleiner Hafen mit Bootsanleger und Fischimbiss. Die anschließende Woblitzseeüberquerung war eine windige Angelegenheit, nach der einige eine Badepause am Campingplatz „Havelberge“ einlegten, andere zielstrebig dem nächsten Ziel entgegenfuhren.

Auf der Havel ohne Motorbootverkehr
Foto: Volker Fähnrich

Hinter dem Campingplatz wurde es in schmalen Flusswindungen und ohne Motorbootverkehr ruhig und idyllisch. Immer mehr See- und Teichrosen sowie Libellen waren zu bewundern.

Umtragestelle Granziner Mühle
Foto: Volker Fähnrich

Nach Überquerung des Großen Labussees wartete die nächste technische Herausforderung auf uns: Da die
Schleuse Userin nicht betrieben wurde, mussten alle Boote in beide Richtungen mithilfe eines Rollwagens umgetragen werden. Dabei haben wir viele nette, hilfsbereite Menschen getroffen. Nach einer Tagesetappe von 16 Kilometern erreichten wir den Campingplatz Useriner Mühle, bauten erneut unsere Zelte auf, Tim selbstredend sein Tarp, genossen die vom örtlichen Pizzabringdienst gelieferten Pizzen, und verbrachten erneut einen schönen, entspannten Abend. Nach einer deutlich wärmeren Nacht und einem kurzen Regenschauer vor dem Frühstück konnten wir auch den letzten Tag erneut bei bestem Wetter auf dem Wasser genießen. Der dritte Tag brachte auf knapp 20 Kilometern durch den Müritz-Nationalpark acht Seeüberquerungen, urige, schmale Flussabschnitte, die Einkehr in einen Fischimbiss sowie 2 Umtragestellen, wobei die Umtragestelle Granziner Mühle mit einer Lorenbahn von knapp einem Kilometer Länge durch den Wald ein besonderes Gemeinschaftserlebnis bot.

Paddeltourteilnehmer am Käbelicksee
Foto: Volker Fähnrich

Nachdem wir unseren letzten Campingplatz „Naturfreund“ am Käbelicksee erreicht hatten, wurden die Boote vom Verleiher abgeholt, die Fahrer der PKWs mitgenommen, die Zelte aufgebaut und bei einem etwa halbstündigen Regenschauer auf Wasserdichtigkeit getestet. Der krönende Abschluss dieses Abends war das gemeinsame Abendessen in Dalmsdorf im großen Saal des Gasthofs „zu den Linden“, der wie seine Betreiber und die Bedienung den Charme vergangener Tage ausstrahlte. Essen und Trinken haben allen gemundet und es war ein schöner Ausklang einer tollen Unternehmung.

Nach einer weiteren Nacht im Zelt ging es nach dem letzten gemeinsamen Frühstück ans Abschiednehmen, die Heimreise oder zum Start einer anschließenden Havel-Fahrradtour.

Zu zweit im Kanadier fand ich das Paddeln sehr anstrengend. Mein kurzes Gastspiel in einem ZweierKajak ließ in mir den Wunsch reifen, das nächste Mal ein Kajak zu mieten. Und so ging es nicht nur mir, denn Silke bemerkte zum Schluss: „Ich glaube, das nächste Mal fahren alle im Einer-Kajak um Volker und mich im Kanadier herum“. Wie auch immer: Ein nächstes Mal würden wir uns alle wünschen!

Ganz, ganz herzlichen Dank an Silke, die alles perfekt organisiert und durchgeführt hat, die sich um alles und jeden gekümmert hat, nie die Geduld verloren hat, obwohl das Zusammenhalten schneller Kajakfahrer, gegen die Wellen ankämpfender Kanadierbesatzungen und Genusspaddler manchmal schwerer schien, als einen Sack Flöhe zu hüten. An König Manfred, der mit seinen zwei Prinzessinnen, ob am Morgen oder Abend, immer gute Laune verbreitet hat.

Vielen Dank auch an Tim für das Vorbereiten der Eckdaten für diesen Bericht.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. September 2022