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Holger Seidel durchquert Deutschland in Rekordzeit.

Unser ehemaliger Jugendreferent auf Tour

Klaus Prenner
Kurz vor dem Ziel
Foto: Jürgen Höfer

In knapp unter 30 Stunden hat Holger Seidel am 27. und 28. August Deutschland von Süd nach Nord durchquert. Nicht zu Fuß auf Teilstrecken -wie man als DAV-ler zunächst vermuten würde- sondern mit dem „Fahrrad“ als ganze Strecke. Start war der südlichste Punkt Deutschlands: in Birgsau, südlich von Oberstdorf, wo Allgäu und Kleinwalsertal sich berühren, unterhalb des Heidelberger Höhenwegs ging es los. Ziel war die deutsch-dänische Grenze an der Bundestraße 5 nördlich von Niebüll. Dazwischen liegen 1068 km und circa 5000 Höhenmeter. Den bisherigen Rekord verbesserte Seidel um 3 Stunden. Auf zwei Rädern, nur mit eigener Kraft und Ausdauer. Allerdings mit einem speziellen Fahrrad: mit einem Velomobil. Das ist ein windschnittig verkleidetes Liegefahrrad, technisch äußerst raffiniert und mit futuristischem Anstrich.

Holger (links) und Team
Foto: Brigitte Stammschröer

Ein professionelles Team begleitete und sicherte diesen Ultramarathon ab. 30 Stunden non stop bei Tageslicht und in der Nacht, durch das Allgäu, durch Täler und über Höhen, mit beträchtlichen Anstiegen am Rand der Mittelgebirge und durch die norddeutsche Tiefebene. Das dürfte eine der herausragendsten Ausdauerleistungen in unserer Sektion sein.

Der Sektion und dem DAV ist Seidel in den vergangenen Jahren durch verschiedene Engagements verbunden gewesen:

  • von 2005 bis 2015 war er Jugendreferent der Sektion
  • von 2010 bis 2016 Initiator und Koordinator des Projekts „Klettern und Schule“ im DAV-Landesverband
  • seit 1995 aktiver Felskletterer und Übungsleiter
  • 2010 berichtete er in der Vortragsreihe über seine mehrmonatige Radexpedition entlang der Anden in Südamerika: vom Feuerland bis Peru.

Herausforderung und Wagnis suchen, diese Persönlichkeitseigenschaften sind Holger Seidel wohl schon in die Wiege gelegt worden: in jungen Jahren gehörte er zur Spitzenklasse im Bahnradsport, fuhr über 80 Siege ein ……auf der Straße, bei Bahnrennen und mit dem Mountainbike.

Der Weltrekord ist inzwischen anerkannt!
Foto: Brigitte Stammschröer

Fragen von Klaus Prenner an Holger

Holger, warum macht man so etwas?

Es ist wie mit den Bergen: Weil sie da sind – und wir es können. Große Landverbindungen haben mich schon immer gereizt. In den letzten Jahren bin ich vornehmlich im Umfeld von Deutschland unterwegs gewesen. Und die Verbindung auf der Längsachse reizte mich. Dann gab es noch den alten Rekord und einen Freund, der ein neues Velomobil entwickelt hat. So kamen sportlicher Ehrgeiz, etwas Marketing und das Aufzeigen von Alternativen im Straßenverkehr zusammen.

Was waren die spannendsten Situationen?

Für eine so lange Fahrt lief das sehr komplikationslos. Trotzdem passiert einiges unterwegs. Wir hatten zwei heftige Gewitter zu durchfahren, in Würzburg in einer Unterführung stand das Wasser so hoch, dass es in mein Fahrzeug spritzte. Drei sehr kurzfristige Umleitungen aufgrund von Unwetterschäden mussten wir trotz idealer Planung absolvieren. Die Straßen waren nur gesperrt, keine Umleitung ausgeschildert. Wir mussten also schnell handeln. Ein paar kleinere Reparaturen am Velomobil und in der norddeutschen Tiefebene eine Kollision mit einem Waschbären ließen keine Langeweile aufkommen.

Was machen Kopf und die Gedanken bei einer Fahrt von 30 Stunden?

Nach Wolfgang Güllich ist „der Kopf der stärkste Muskel“. Auch wenn seine Aussage auf das Klettern bezogen war, trifft diese genauso auf extreme Ausdauerleistungen zu. Ich war 30 Stunden im Flow, immer im hier und jetzt, habe nur die Navigation, den Verkehr sowie meine Watt- und Pulswerte im Blick gehabt. Alles andere habe ich ausgeblendet. Ich habe während der Fahrt nie an das Ende gedacht und auf einmal war ich da. Voraus ging aber auch ein Jahr intensives Training und eine ausgeklügelte Vorbereitung.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 27. September 2022