Skigruppe

Die Skigruppe wandert und radelt

Rund um das Mohndorf Germerode und im Meißner-Werra-Kreis

Walter Sprenger, Heinz Baaske
So schön blühte der Mohn Anfang 2020
Foto: Walter Sprenger

In ländlicher Idylle am Fuße des nordhessischen Hohen Meißners liegt das Mohndorf Germerode. Das Ziel der von Walter und Elsbeth Sprenger vorgeschlagenen Wanderreise vom 4. bis 7. Juli 2022.

Wie auch in den anderen aktiven Gruppen unserer Sektion gibt es immer wieder Entdecker von originellen neuen Zielen. Wie kamen die Sprengers darauf? In der Coronazeit, beginnend in Frühjahr 2020, waren Reisen zu entfernten Destinationen in und außerhalb Deutschlands nicht mehr möglich. Plötzlich wurden Nahziele wieder höchst interessant, Nahziele, die man jahrzehntelang aus den Augen verloren hatte. Z.B. der Thieder Lindenberg. Die Asse, wo man auf der von Hainbuchen gesäumten Liebesallee zum Bismarckturm hinauf wandern konnte. Oder der Heeseberg mit seinen wunderschönen Ausblicken auf den Harz und höchst interessanten geologischen Fundstellen.

Sommergerste, auch ohne Mohn eine schöne Landschaft
Foto: Walter Sprenger

Und urplötzlich stand das Mohndorf Germerode, im Meißner Werrakreis -touristisch definiert als Frau Holle Land - im Zentrum des Interesses. Weil dort die von Mitte Juni ca. drei Wochen lang anhaltende Mohnblüte traumhaft schöne weiß rote Aussichten schafft. Und weil man vom Hohen Meißner und von den östlich der Werra gelegenen thüringischen Bergen weit in das hügelige Umland blicken und natürlich reizvolle Wanderungen machen kann.

Soweit die Begründung von Walter für die Auswahl des Wanderzieles Mohndorf Germerode.

Mohnblüte: Opium für die Augen
Foto: Walter Sprenger

Übernachtet haben die 15 Teilnehmer im Landhotel Meißnerhof. Die Besitzerfamilie hat vor ca. 20 Jahren mit dem Mohnanbau begonnen. Angeregt wurde die Familie vom Mohnanbau im österreichischen Waldviertel. Inzwischen wächst der Schlafmohn mit geringem und gesundheitlich unbedenklichem Morphingehalt auf einer Fläche von fast 40 Hektar. Der Schlafmohn ist für die Gewinnung von Opium nicht geeignet. Vielmehr sind die Mohnfelder auf Grund der Schönheit des blühenden Mohns „Opium für die Augen“ So wird es auf einer Informationstafel erklärt. Die Ernte wird im Bäckerhandwerk und der Backwarenindustrie verarbeitet. Auch qualitativ hochwertiges Mohnöl, Eierlikör und vieles Schmackhaftes mehr wird aus den Samen hergestellt. Die Speisekarte des Hotels ist vom Mohn geprägt, vom Mohnkuchen über das Speiseeis bis zur Mohnbratwurst.

Aus Blüten werden Kapseln
Foto: Walter Sprenger

Einen kleinen Strich durch die Rechnung hat uns das in diesem Jahr so frühe hochsommerliche Wetter mit viel Sonnenschein und wenig Regen gemacht. Die Mohnblüte ging bereits Anfang Juli zu Ende. Aber wir wurden trotzdem verwöhnt. Es fehlten zwar die flächendeckenden bunten Mohnfelder. Aber die reifenden Mohnkapseln waren auch wunderschön anzusehen. Das Highlight aber war die die wunderbare Landschaft. Wir haben schon lange nicht mehr so einen gesunden, grünen Laubwald gesehen, den wir durchwandern konnten. Vom Hohen Meißner begeisterte der Blick auf die unter dem blauweißen Himmel goldgelbe hügelige Landschaft der Getreidefelder. Auffällig für Heinz den Brauer, der hohe Anteil der Sommergerste, die als Malz beim Gezapften für die gute Schaumkrone sorgt.

Das ist Frau Holle, friedlich steht sie am See
Foto: Walter Sprenger

Am Ende der nachmittäglichen Wanderung konnten wir uns in der mitten in den Feldern stehenden Scheune des Landhotels den köstlichen Mohnkuchen schmecken lassen. Lecker, lecker.

Hier haben wir unsere e-Bikefahrer wieder gesehen. Die Knie- und Hüftgeschädigten – Namen
werden nicht genannt – hatten nach eigener Schilderung ebenfalls einen sehr befriedigenden Tag auf dem Sattel verbracht. Ziemlich viel bergauf und bergab. Die E-Motorisierung macht’s möglich.

Brüchige Felsgruppe der Stinkenden Wand
Foto: Walter Sprenger

Am zweiten Tag war der Hohe Meißner – mit einer Höhe von 753 m der höchste Berg Nordhessens – unser Ziel. Walter hatte mit Klaus, dem Seefahrer, den Premium Weg 1 rund um den Gipfel des Berges mit Hilfe der Komoot-App an die körperliche Leistungsfähigkeit der “hochbejahrten“ Wanderer angepasst. Die Höhenmeter vor allem des Aufstiegs auf ein erträgliches Maß reduziert. Der Weg führte uns vom Parkplatz im Gipfelbereich durch tiefgrüne Laubwälder zunächst zum Frau Holle Teich. Von Kindesbeinen uns allen aus den Gebrüder Grimm-Märchen vertraut. Da stand sie nun, Kinderherzen entzückend, ein wenig versteckt im Buschwerk rund um den kleinen Teich. Es wurden viele Bilder für die Jüngsten der Familien gemacht.

Der Kalbe See
Foto: Walter Sprenger

Weiter ging’s zur Stinkenden Wand und zum Kalbe See. Wie kam es zu dieser wenig einladenden Bezeichnung für eine Felsenwand? Vom 16. bis zum 20. Jahrhundert wurde am Hohen Meißner Braunkohle im Tagebau abgebaut. Es kam vor langen Zeiten zum Ausbruch eines Feuers, das bis heute nicht wirklich gelöscht werden konnte. Eine Folge: Schwefelgeruch.

Danach folgte eine weite Schleife mit munterem Auf und Ab durch den endlosen Wald zum Parkplatz. Insgesamt ca. 10 km. Ab und zu mal eine kleine Verirrung, die durch die Komoot-Experten*innen Elke und Helmut korrigiert werden konnten.

Und was gab’s zum Abschluss eines sehr schönen Wandertages? Natürlich Mohnkuchen in der Scheune der Wirtsleute inmitten der Mohnfelder. Auch die Radfahrer fanden sich dort wieder ein.

Stattlich: Burg Hanstein in Bornhagen/Werra
Foto: Walter Sprenger

Am dritten Tag ging es in das sich östlich anschließende Thüringer Land entlang der Werra. Die Wanderer, gut die Hälfte der Reisegruppe, fuhren zur Burgruine Hanstein.

Ein mit etwa 100 m Aufstiegshöhe zu verkraftender Weg führte zur Der Kalbe See Teufelskanzel . Von dort bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf Lindewerra, ein bildhübscher Ort, tief unten an der Werra. Die hier in einem großen Bogen durch das hügelige Land fließt.

Ausblick von der Burg
Foto: Walter Sprenger

Auf der anderen Fluss-Seite ragt die Burg Ludwigstein aus dem bewaldeten Berg, Heimstätte der Wandervogel-Bewegung.

Der sanfte Abstieg über 300 Höhenmeter nach Lindewerra war leicht zu bewältigen. Viele Himbeerbüsche mit sehr aromatischen Beeren säumten den Weg. Ein angenehmer Zeitvertreib.

Die Radfahrer waren im Werratal munter unterwegs. Von Witzenhausen radelten sie flussaufwärts ohne große Höhenunterschiede entlang der Werra nach Bad Soden Allendorf - beide Orte sehr ansehlich und besuchenswert - knapp 40 km hin und zurück. Das hätte sicher auch einigen Wanderern Spaß gemacht.

Blick von der Teufelskanzel auf Lindewerra und Werra-Schleife
Foto: Walter Sprenger

Abends beim Abschiedsessen im Landhotel: Walter und Elsbeth wurden von Helmuth im Namen der Gruppe für die Planung und Durchführung dieser offenbar reizvollen Reise gelobt. Auch ein originelles Geschenk wurde übergeben: Ein Komoot-Abonnement. Dazu die Einführung in die, wie Walter meint, für seinen Jahrgang viel zu komplexe Problematik des KomootSystems. Diese Einführung ist inzwischen von Hermann vollzogen worden. Da gibt es noch viel zu üben.

Die Teilnehmer, freundlich sehen sie aus
Foto: Walter Sprenger

Ja, es war wohl eine schöne Gruppenveranstaltung. Konsequenz: man muss nicht immer quer durch das ganz Land, von Nord nach Süd, von Ost nach West, in die Alpen oder nach Norwegen fahren, und ganz bestimmt nicht nach Mallorca reisen, um Schönes zu erleben. Schon gar nicht in diesen energetisch so problematischen Zeiten.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. September 2022