Jugendgruppe

Die Steinbeisser laufen auf Hochtouren

Eine Gruppenfahrt zur Braunschweiger Hütte

Steinbeisser

Wir, die Steinbeisser, haben von Dienstag, den 09.08. bis Mittwoch, den 17.08. eine Ausfahrt auf die Braunschweiger Hütte (2758m) gemacht. So sehr Benno und Axel sich auch bemühten, die Fahrt im Nachtzug wird uns am meisten in Erinnerung bleiben.

Bereits die Anfahrt forderte jede Menge Kreativität und Zusammenhalt. Nachdem wir uns alle schwer bepackt in den ersten Zug geschleppt hatten, der uns nach Hannover bringen sollte, tat sich das erste Problem auf, das wir jedoch schnell und geschickt lösen konnten: Axel hatte keinen Flaschenöffner für sein Bier dabei, also suchten wir nach einer Alternative. Der Eispickel erwies sich bereits dort schon als treuer Begleiter. In Hannover angekommen, gab Benno uns eine Nachtstadtführung durch die von Leuchtreklamen hell erleuchtete Innenstadt, ehe wir uns ans Gleis für unsere Weiterfahrt nach Innsbruck begeben mussten. Da es sich um einen Nachtzug der ÖBB handelte, hatten wir Hoffnung auf mehr Zuverlässigkeit, als wir es von der DB gewöhnt sind. Leider vergaßen wir, dass der Zug trotzdem auf dem Streckennetz der DB fuhr… Dank Laila durften wir uns dann zu sechst und zu viert auf sechs Ausziehsitzen, die vermutlich ungefähr ein Doppelbett ausmachten, für die Nacht schlafen „legen“. Nachdem wir uns nebeneinander gepuzzelt hatten, lachten wir uns in den Schlaf und erwachten unter einem flackernden Licht im Nürnberger Bahnhof nach einer unruhigen Nacht mit Nackenschmerzen. Da niemand von uns in der Nacht von einem Rucksack erschlagen wurde, verließen wir übermüdet, dennoch gut gelaunt den Zug in Innsbruck. Nach einer kurzen Stärkung fuhren wir weiter nach Imst. Durch eine kleine Verspätung verpassten wir den Anschlussbus und konnten so eine sonnige Pause mit Flitschwettbewerb am Fluss genießen. Dank der dynamischen Busfahrt nach Mittelberg (1730m), konnten nur ein paar von uns sitzen und der Rest musste das Gepäck bewachen, damit es nicht durch den ganzen Bus flog. Mittags starteten wir den Aufstieg zur Hütte, wobei der Weg zur Materialseilbahn uns schon dermaßen erschöpfte, dass wir erstmal eine Pause brauchten. Weiter ging es in zwei Gruppen: die einen gingen den normalen Wanderweg und die andern versuchten sich am Klettersteig. Zum Glück schafften wir es rechtzeitig zum Abendessen und konnten schon bald den Schlaf der letzten Nacht aufholen.

Rückweg vom Linken Fernerkogel
Foto: Benno Seydel

Am Donnerstag begaben wir uns laut Axel auf eine „kurze und leichte“ Tour zum Karleskogel (3107m), die uns dennoch erst nach 10 Stunden wieder zur Hütte brachte. Übers Rettenbachjoch (2990m) gelangten wir, nach einem kleinen Techniktraining, auf den wackligen Grat, der uns zum Gipfel führte. Erst nach der Hälfte wurden wir gesichert, auch wenn wir davor schon einige schwierige und beunruhigende Stellen passierten. Insgesamt war die Tour mental wesentlich anstrengender als körperlich. Das kalte Cordon Bleu vom Vorabend, welches das letzte Fleisch sein sollte, was uns für die nächste Zeit bleiben würde, da wir uns dazu entschieden alle vegetarisch weiterzuleben, brachte die richtige Stärkung für den Abstieg. Aus dem Plan auf dem Heimweg einen weiteren Gipfel zu besteigen, wurde „leider“ nichts, denn wir wollten das Abendessen ja nicht verpassen. Nachdem wir das Material für den nächsten Tag vorbereitet hatten, fielen alle erschöpft ins Bett. Der nächste Tag forderte ein früheres Aufstehen, damit nicht wieder alle zu spät zum Treffpunkt kamen. Unsere Tour führte uns über den Karlesferner zum Linken Fernerkogel (3278m). Für die meisten war es das erste Mal auf Steigeisen, dennoch gewöhnten wir uns schnell an das neue Gefühl und fielen in keine Gletscherspalte. In Fünfer-Seilschaften erreichten wir nach einiger Zeit das Gipfelkreuz und genossen die wunderbare Aussicht auf die umliegenden Berge. Das Cordon Bleu wurde als unser Markenzeichen im Gipfelbuch verewigt. Unser Rückweg sollte uns über die Innere Schwarze Schneid führen, aber da der Weg nicht erkennbar war, machten wir uns sicherheitshalber auf dem gleichen Weg zurück, wie wir gekommen waren und rutschten mal mehr, mal weniger freudig den Gletscher hinab. Am Abend freuten wir uns über Käsespätzle.

Spaltenbergungsübung
Foto: Benno Seydel

Aus dem Wunsch nach einem Pausetag, entstand der Kompromiss statt einer Tour, Spaltenbergung zu trainieren. Nacheinander wurden wir in die Spalte herabgelassen und zwei andere haben uns mit der neuerlernten Technik geborgen. Auch den Mannschaftszug haben wir ausprobiert und an einem Gletschertor haben wir uns am Hochprusiken versucht. Dabei wurden wir alle sehr nass und matschig und waren froh, dass es bei einer Übung blieb und wir nicht ungeplant jemanden bergen mussten. Aus dem angesetzten Halbtagesprogramm wurde dann doch fast ein ganzer Tag, aber für eine warme Dusche und Kaiserschmarren reichte die Zeit zum Glück noch aus. Zu sechst machten wir noch eine Nachtwanderung auf den Karleskopf, wobei der Sonnenuntergang mit einem Gipfelkonzert eines Bläserquartetts untermalt wurde. Die andern verfolgten das Spektakel von der Hütte aus und amüsierten sich köstlich mit verschiedenen Weckertönen, die uns am nächsten Morgen das Aufwachen erleichtern sollten.

Am Sonntag wollten wir zusammen mit der Verstärkung, die wir am Vortag erhalten hatten, die Innere Schwarze Schneid (3367m), unseren höchsten Gipfel, besteigen. Leider hatten sich manche von uns am Vortag auf dem Gletscher erkältet, sodass eine Person auf der Hütte die Stellung halten musste. Unsere Ansteckungswelle verlief dann leider exponentiell. Nachdem wir das Rettenbachjoch erklommen hatten, überquerten wir den Rettenbachferner mit Steigeisen und Seilschaften und nach einer kurzen Gratkletterei erreichten wir den Gipfel. Wo wir ein Gipfelkreuz erwartet hatten, empfang und stattdessen eine Lawinenhochdruckanlage. Auf dem Rückweg machten wir Halt an einem Aussichtssteg und durchquerten den Skitunnel bevor wir wieder über das Rettenbachjoch heimkehrten. Der sonnige Tag endete für manche mit einer Abkühlung im Bergsee.

Alle noch fit
Foto: Benno Seydel

Obwohl mittlerweile alle kränkeln, machten sich sechs von uns auf den Weg zum „Rechten Fernerkogel“ (3277m), welches unsere längste und anstrengendste Tour werden sollte. Sobald wir den Gletscher erreichten, zog es zu und schnell befanden wir uns in einem White-Out. Axel erkläre uns wie man sich am besten bei Nebel auf dem Gletscher orientieren konnte. Als es stellenweise aufzog, waren wir dennoch nicht da, wo wir es erwartet hatten. Mit einigen daraus resultierenden Umwegen, gelangen wir jedoch entgegen unserer Erwartung auf den Grat, der uns auf den Gipfel führte. Auf dem Rückweg jammerten alle über Knieschmerzen und als wir am Ende des Gletschers wieder die Höhenmeter zur Hütte hoch mussten, fiel die Stimmung auf den Tiefpunkt. Pläne wie die Kranken uns hochtragen sollten, begleiteten unseren Weg und mit ordentlich Traubenzucker gedopet erklommen wir die Hütte. Mit so wenigen Pausen haben wir noch keine Tour absolviert und waren umso stolzer, als wir erschöpft aber glücklich heimkehrten.

Unsern letzten Hüttentag verbrachten wir alle, bis auf zwei fitte und motivierte Bergsteiger, auf der Hütte und ruhten uns für den morgigen Abstieg aus. Mittlerweile waren wir nämlich alle so krank, dass wir die Bewegung minimieren mussten. Mit verschiedenen Spielen und vielen Kannen Pfefferminztee brachten wir den Tag hinter uns.

Der Abstieg verlief problemlos und voller Vorfreude erreichten wir mit nur wenig Verspätung den Braunschweiger Hbf.

Eine einmalige, unvergessliche und bereichernde Fahrt, an die wir uns immer erinnern werden, findet ein Ende.

Vielen lieben Dank an Benno, Axel, Leonie und Laila für die großartige Planung, Unterstützung und Geduld!

Wir freuen uns auf die kommenden Ausfahrten.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. September 2022